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Insel Rügen

Natur und Landschaft rund um Lietzow


1. Allgemeines


Die Landschaft rund um Lietzow ist Teil der Ausgleichsküstenlandschaft der Ostsee. Sie wird bei der bundesweiten Charakterisierung von Landschaften durch das BfN dem Gebiet "Jasmunder Bodden und Nordostrügen" zugeordnet und als „Besonders schutzwürdige Landschaft“ eingestuft. Siehe hierzu der BfN Landschaftssteckbrief.


Das Gebiet um Lietzow verdankt seine große Vielfalt und Einzigartigkeit den naturräumlichen Gegebenheiten mit den beiden Bodden, seinen Steilküsten und vorgelagerten Feuchtgebieten. Diese landschaftliche Besonderheit geht einher mit einem großen Reichtum an besonderen und seltenen Lebensräumen und einer hieran angepassten Tier- und Pflanzenwelt.


Dies findet seine Würdigung in der Ausweisung von mehreren Naturschutzgebieten weiterhin in der Ausweisung von Europäischen Schutzgebieten im Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ – im unmittelbaren Umkreis von Lietzow gleich mit einem EU Vogelschutzgebiet
und zwei FFH-Gebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Siehe hierzu die folgenden Seiten.


Auch zählt Lietzows Umgebung zum bundesweiten Naturschutzgroßprojekt „Ostrügensche Boddenlandschaft“.

Zur Wahrnehmung und zum Erleben dieser besonderen Landschaft wurde unter anderem der sogenannte „Bodden-Panoramaweg“ als Qualitätswanderweg prämiert. Der Weg führt über 24 Kilometer durch eine malerische Landschaft am Großen Jasmunder Bodden entlang von Neuenkirchen über Lietzow nach Mukran.


Weitere Vorschläge zum Naturerleben rund um Lietzow mit Wanderungen zu Fuß, per Fahrrad und/oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln werden unter "Wandern / Radfahren" vorgestellt. Sie enthalten Kartenausschnitte, textliche Beschreibungen und GPX-Dateien zum Herunterladen von Tracks auf Outdoor-GPS-Geräte oder Google Maps.

 

 

2. Naturschutzgebiete


Als Naturschutzgebiete sind im Bereich rund um Lietzow 

- die Schmale Heide mit Feuersteinfeldern zwischen Ostsee und Kleinem Bodden,
- die Wostevitzer Teiche nordöstlich von Lietzow sowie
- die Halbinsel Pulitz bei Stedar am Westufer des Kleinen Jasmunder Boddens
zu erwähnen.


Am bekanntesten ist das NSG „Schmale Heide mit Feuersteinfeldern“. Dieses einzigartige Bio- und Geotop ist von Lietzow aus gut zu Fuß auf dem Steilhangweg parallel der Eisenbahn in Richtung Binz oder mit dem Fahrrad durch den Wald zu erreichen, natürlich auch motorisiert – hier gibt es an der L29 nahe Mukran einen Parkplatz, von dem aus der Weg zu den Feuersteinfeldern ausgeschildert ist.

 

 

Feuersteinfeldern

 

Baumgruppen in den Feuersteinfeldern im Winter 2019. Foto: Angela von Lührte, 01.12.2019

 

 

Die von Wald umrahmten Feuersteinfelder heben sich mit ihren weißen Steinen und ihrer offenen bis halboffenen Vegetation markant von ihrer bewaldeten Umgebung ab.


Auf den Feuersteingeröllen wächst eine besondere Vegetation mit Arten der Magerrasen, der Zwergstrauch- und der Wacholder-Heiden. Die Wacholderbestände gehören zu den am besten erhaltenen in der Ostsee-Region. Zum Kleinen Jasmunder Bodden hin und in der nordwestlich gelegenen „Blomer Weide“ schließen sich Besenheidegesellschaften, Feuchtheiden, Pfeifengraswiesen Niedermoore mit kalkreichen Sümpfen mit mehreren Vorkommen des Binsenschneidenrieds und einer Reihe sehr seltener Pflanzenarten sowie kleinere Erlenbruchwälder an.

 

Auf der anderen Seite der Feuersteinfelder, östlich der L29, sind neben dem, im Bereich der Graudünen künstlich angelegten Dünenkiefernwald offene Dünen- und Strandbereiche ausgebildet. Die dem Wald küstenseitig vorgelagerten Weißdünen zeichnen sich durch zahlreiche Vorkommen der Wiesen-Kuhschelle und verstreute Vorkommen der Stranddistel aus – beide Arten sind in Mecklenburg-Vorpommern stark gefährdet.


Während die Feuersteinfelder gut erreichbar und begehbar sind, ist die Zugänglichkeit der boddennahen Teilbereiche in der Regel durch starke Vernässung und/oder landwirtschaftliche Nutzungen deutlich eingeschränkt. Hier ist, ebenso wie im Bereich der Ostseedünen, auf die hohe Empfindlichkeit der Vegetation gegenüber Trittbelastungen, Lagern, Feuerstellen und natürlich gegenüber Abfallentsorgung Rücksicht zu nehmen. Weitere Infos siehe z.B. "DBU Feuersteinfelder & Schmale Heide". 

 

Die Ufer der Wostevitzer Teiche sind aufgrund ihres breiten Schilf-, Sumpfweidenund Bruchwaldgürtels kaum oder nur eingeschränkt betretbar – ein Zugang zum Wasser ist nur mit Mühe möglich, und ohne Stiefel geht hier gar nichts; der offene Grünlandbereich im Nordosten wird ganzjährig beweidet und ist hoch eingezäunt. Das Gebiet wurde vor allem wegen der Eigenart des Großen und Kleinen Wostevitzer Teichs als ungestörte, naturnahe Flachwasserseen und ihrer faunistischen Bedeutung unter Schutz gestellt. So bilden die Teiche Lebensraum für verschiedene Amphibien- und Reptilienarten, Brut- und Nahrungsgebiet für zahlreiche besonders geschützte Vogelarten, wie Wachtelkönig, Flussseeschwalbe, Rohrweihe, Seeadler, Kranich, Tüpfelsumpfhuhn, Kleines Sumpfhuhn, Neuntöter und Beutelmeise sowie Rast- und Ruhegewässer für verschiedene Wasservogelarten. Als bemerkenswerte Pflanzen wurden u.a. die gefährdeten Arten Fieberklee und Schmalblättriges Wollgras gesichtet. Weitere Infos siehe z.B. "Naturerbe/Wostevitzer Teiche".

 

 

Kleinen Wostevitzer Teich

 

Blick auf den Kleinen Wostevitzer Teich, Foto Stefan Schwill.
Aus: https://naturerbe.nabu.de/naturparadiese/mecklenburg-vorpommern/wostevitzer-teiche/index.html

 

 

Das NSG Pulitz ist von Stedar aus über einen Feldweg zu erreichen und auf Waldwegen begehbar. Für den Schutz der auf der Halbinsel brütenden Greifvögel wurde eine Sperrzeit für Besucher vom 15. Januar bis 15. Juli eines jeden Jahres eingerichtet, die dringend zu beachten ist.


Hier brüten unter anderem Seeadler, Habicht, Rohrweihe und Hohltaube. Neben seinem alten Buchenwald, seinen Hangwäldern auf den Steilhängen im Norden und Südosten sind ein Erlenbruchwald und ein kleines Übergangs- und Schwingrasenmoor (Kesselmoor) bemerkenswert. Im Übergangsbereich zum Bodden haben sich Schilf-Verlandungsröhrichte ausgebildet. Eine beeindruckende alte Lindenallee führt am Süd- und Ostufer entlang.

 

Siehe auch unsere Beschreibung einer Fahrradtour von Lietzow nach Pulitz under "Wandern / Radfahren".

 

 

3. Europäische Schutzgebiete


Lietzow wird im Norden und Süden von großflächigen Europäischen Schutzgebieten umrahmt, die zum Netz „Natura 2000“ gehören, einem Schutzgebietssystem, das sich aus den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und den Schutzgebieten der EU-Vogelschutz-Richtlinie zusammensetzt (STALU "Natura 2000"). Hier sind im Einzelnen die folgenden Schutzgebiete zu nennen:

  • Die unten aufgeführten FFH-Gebiete nördlich und südlich von Lietzow werden über große Teile überlagert vom Europäischen Vogelschutzgebiet DE 1446-401 „Binnenbodden von Rügen“. Das Gebiet stellt eine strukturreiche, störungsarme Küstenlandschaft dar. Die eng miteinander verzahnten terrestrischen- und marinen Küstenlebensräume sind Rast- und Reproduktionsraum für eine Vielzahl von Vogelarten. Die herausragende Bedeutung des Gebietes liegt in seiner Funktion als Mauser-, Rast-, Sammel- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel, aber auch als Reproduktionsraum für zahlreiche Küstenvogelarten. Als Schutzziel gilt der Erhalt einer dynamischen Küstenlandschaft mit einem hohen Anteil störungsarmer Bereiche. (Quelle: http://www.ffhgebiete.de/ffh-gebiete/)
  • Direkt südlich von Lietzow erstreckt sich das FFH-Gebiet „DE 1547-303 Kleiner Jasmunder Bodden mit Halbinseln und Schmaler Heide“. Umfangreiche Informationen hierzu sind zu finden hier.
  • Im Norden grenzt Lietzow an das FFH-Gebiet "DE 1446-302 Nordrügensche Boddenlandschaft“ an. Umfangreiche Informationen hierzu sind zu finden hier.

 

Der Schutzzweck der zwei FFH-Gebiete südlich und nördlich von Lietzow besteht in beiden Fällen in der Bewahrung bzw. Wiederherstellung und Entwicklung von bestimmten europäisch bedeutsamen FFH-Lebensräumen und/oder FFH-Arten, hier im Besonderen dem Schutz und der Förderung

  • der Bodden als Lebensraumtyp „Lagunen des Küstenraums“,
  • verschiedener mariner- und Küsten-Lebensräume, wie Riffe, Spülsäume, Fels- und Steilküsten, unterschiedliche Ausprägungen von Dünen,
  • kleinflächiger Heide- und Moorbiotope sowie
  • verschiedener Wald-Lebensräume, vor allem Feucht- und Buchenwälder
  • sowie einzelner, sehr seltener Tier- und Pflanzenarten, u.a. Fischotter, Kammmolch, Bauchige und Schmale Windelschnecke, Großer Feuerfalter und Sumpf-Glanzkraut.


In den ausgewiesenen FFH-Gebieten ist es die Pflicht der Mitgliedsstaaten, durch geeignete Maßnahmen, die in sogenannten Managementplänen festgelegt sind, die Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung der Schutzziele zu gewährleisten.
Im FFH-Gebiet Kleiner Jasmunder Bodden sind die bedeutendsten terrestrischen Lebensraumtypen bereits teilweise durch die Naturschutzgebiete Schmale Heide mit Feuersteinfeldern und Insel Pulitz geschützt, die Ausweisung eines weiteren
Naturschutzgebietes bei Lietzow ist in der Planung. Die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung werden hier vielfach im Rahmen von Nationalen Naturerbeflächen durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (dbu) durchgeführt.

 

Im FFH-Gebiet am Großen Jasmunder Bodden zeichnen sich die boddennahen Bereiche nordwestlich und nordöstlich von Lietzow durch eine besondere Küstendynamik, herausragend ausgebildete Steilufer mit Vorkommen einer spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt, natürliche Steilhangwälder sowie durch küstennahe, alte, naturnahe Buchenwälder aus. 

 

 

Gnever Ufer

 

Gnever Ufer, hier im Juni mit Blühaspekt der stark gefährdeten
Pechnelke. Foto: Jutta Baumgart, 01.06.2019.

 

 

(Siehe auch hier die Ausflugsvorschläge Nr. 5, 6 und 7 unter "Wandern / Radfahren" - und unsere Bildergalerie)

 

 

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