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Lietzow Kultur

(Aus der Chronik von Lietzow)

 

 

Unser Heimatort Lietzow war schon in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt. Das ist heute nicht nur bei uns, sondern in geschichtlich interessierten Kreisen Deutschlands und in der ganzen Welt bekannt: denn bestimmte Forschungsergebnisse aus der mittleren Steinzeit (dem Mesolithikum) führen ihren Namen nach unserem Ort als Lietzow Kultur.

[…]

 

Schon im Jahre 1827, als der Altertumsforscher Fr. v. Hagenow bei Semper Vermessungen für seine Rügenkarte in Angriff nehmen wollte, fand er hier plötzlich viele Feuersteinbruchstücke von eigentümlicher, gleichartiger Form. Er schreibt darüber: „In zwei Stunden hatten wir über 200 Stück dieser Messer, teils unversehrt, teils zerbrochen gefunden nebst wenigstens 20 Stück Steinäxten und vielen kleineren und größeren Bruchstücken von geraden und sichelförmig gekrümmten Opfermesser Besonders merkwürdig erschien mir der Fund deshalb, weil kein einziges von allen Stücken ganz vollendet war. Die Streitäxte und Opfermesser sind alle nur ganz roh geformt, so daß an einigen Stücken nur eben zu sehen ist, wozu man sie formen wollte.“

 

Er glaubt also, es seien unfertige Geräte der Jungsteinzeit. Auch der Staatsanwalt Rosenberg aus Bergen, dessen wunderbar reichhaltige Sammlung das germanische Museum in Nürnberg erbte, und Rudolf Virchow waren seiner Meinung. Der erste Direktor und Begründer des Stralsunder Museums aber, Baier, erkannte, dass die bisherigen Funde der Jungsteinzeit nicht aus diesen rohen Stücken bearbeitet wurden, sondern eine spätere und andere Kultur darstellte. Die Funde von Hagenow gehörten danach einer älteren Zeit an, die wir mittlere Steinzeit, das Mesolithikum nennen.

 

Es ist die erste Zeit der Besiedlung Rügens nach dem Verschwinden des Eises (etwa 4-5000 – 2500 v. Z.). Rügen besteht damals noch aus Inseln, die nicht durch die Schwemmlandbildung aneinander gebunden sind.

 

Wahrscheinlich sind von den dänischen Inseln die ersten Ansiedler herübergekommen, die in den Wäldern und in der See ihre Nahrung jagten und fischten. Das schließt man aus den gleichartigen Funden bei uns und dort. Die Feuersteine waren in so großen Mengen vorhanden, daß sie sich genug Werkzeuge für ihre Lebensnotwendigkeit schaffen konnte und wohl auch, wie Funde zeigen, auf Rügen und an die Küstengebiete Pommerns verhandelten.

 

Viel fand Fr. v. Hagenow 1827, mehr noch über 20 000 Stück aber 1897. Prof. Dr. Haas am „Spitzern Ort“. Alle Werkzeuge der Steinzeit: Messer, Schaber, Beile, Bohrer, Lanzen, Pfeilspitzer, Säge und Meißel lagen hier. 72 Schritt von Norden nach Süden, im rechten Winkel zum Bahngleis, an dem Gartenland, das früher zu dem 1891 abgebrochenen Roggschen Gasthaus gehörte, liegt die Fundstelle.

 

Die Breite der Grube beträgt 40 Schritt. Der obenauf liegende Mutterboden ist ½ Fuß dick, darauf liegt grober mit Steinen untermischten Kies. Tiefer ist brackiges Wasser. Dieser Platz hat früher über Wasser gelegen und ist durch die sogenannte Litorina Senkung unter Wasser getaucht.

 

Daher weiß man zu berechnen, wann die Menschen jener Zeit hier lebten.

 

(Aus der Heimatchronik, geschrieben vom Lehrer Wilhelm Wewetzer (Ordner 1))

 

 

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