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Experten einig: Theorien zum Fischsterben auf Rügen mangelhaft

19. 01. 2022

Nr.014/2022  | 19.01.2022  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

Am Vormittag haben Experten des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF), des Landesamtes für Umwelt-, Naturschutz und Geologie (LUNG), des Landesanglerverbandes, des Deutschen Meeresmuseums, des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt sowie des WWF unter der Leitung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) per Web-Konferenz über die mögliche Ursache für das Fischsterben auf Rügen diskutiert.  Dabei wurden die bisher entwickelten und zum Teil bereits veröffentlichten Hypothesen intensiv auf ihre Stichhaltigkeit überprüft.

Nach bisherigem Kenntnisstand konnte keine der zahlreichen Theorien die Fachleute uneingeschränkt überzeugen und den Grund für das Fischsterben erklären. Ausgeschlossen haben die Fachleute jedoch, dass die Fische im Bodden an Sauerstoffmangel aufgrund einer Eisdecke verendet sind. Auch eine Fischseuche  wurden als Ursache des massiven Fischsterbens ausgeschlossen.

Bis zur Mitte der kommenden Woche sollen nun die Ergebnisse der noch laufenden Untersuchungen bewertet und die verbliebenden Erklärungs­ansätze erneut auf Plausibilität geprüft werden. Möglich ist aber auch, dass die Ursache nicht mehr zweifelsfrei ermittelt werden kann. 

Erfreut nahmen die Konferenz­teilnehmenden zur Kenntnis, dass das Fischsterben im Kleinen Jasmunder Bodden inzwischen beendet zu sein scheint.

 

 

 

Donnerstag, 13. Januar 2022 Insel Rügen Ostseezeitung

 

Helfer rücken ab – Fischsterben geht offenbar weiter

 

25 Tonnen Fischkadaver wurden auf und am Kleinen Jasmunder Bodden eingesammelt

 

Gestern wurde die zweite Mulde voller Fischkadaver aus Lietzow abtransportiert

fischtransport

.foto: Maik Trettin

 

Lietzow. Die Bergung der Fischkadaver auf und am Kleinen Jasmunder Bodden ist vorerst beendet. Am Mittwoch Abend brach das Technische Hilfswerk (THW) seine Zelte in Lietzow ab; die Einsatzfahrzeuge wurden wieder zurück in die Garagen beordert. Zuvor war eine zweite Kippermulde mit Fischkadavern zur Tierkörperbeseitigungsanlage abtransportiert worden.

Drei Tage lang hatten Ehrenamtler vom THW aus Bergen, Stralsund und Wolgast gemeinsam mit Mitarbeitern des Biosphärenreservats Südost-Rügen, mit Anglern und mit engagierten Einwohnern auf dem Wasser und in den Uferbereichen tote Fische eingesammelt. Sven Rüchel vom THW schätzt die Menge auf insgesamt 25 Tonnen. Die Helfer waren auch am Dienstag bei Nebel und eisigen Temperaturen in ihren Wathosen ins Wasser gestiegen, um die Kadaver zu bergen. Im Wasser habe sich mancher Helfer wohler gefühlt als an Land: Die Temperatur des Boddens ist noch immer höher als die der Luft. Unter anderem wegen einer angekündigten Wetteränderungen soll die Aktion aber vorerst ausgesetzt werden. Das hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) erklärt.

Doch noch immer treiben Fischkadaver an der Wasseroberfläche und im Spülsaum des Boddens – nicht nur des Kleinen. Laut Informationen von OZ-Lesern sollen auch im Großen Jasmunder Bodden bei Weddeort in der Nähe von Glowe übermäßig viele tote Fische in Ufernähe gesichtet worden sein. Auch auffallend viele tote Vögel wurden im Wasser und in Gewässernähe gefunden, etwa tote Möwen und Schwäne. Augenzeugen berichten, dass in der Schleuse zwischen Großem und Kleinem Jasmunder Bodden zwei tote Graureiher trieben. Das ist zumindest ungewöhnlich. Ob es mit dem Fischsterben zusammenhängt – diese Vögel ernähren sich hauptsächlich von Fisch – ist ebenso unklar wie die Ursache der aktuellen Umweltkatastrophe

Die wird derzeit von verschiedenen Fachleuten untersucht. So lässt beispielsweise die Umweltorganisation Greenpeace Wasserproben und Fischkadaver untersuchen. Den Wissenschaftlern der Tierärztlichen Hochschule Hannover waren beim Sezieren der Tiere keine ungewöhnlichen pathologischen Veränderungen aufgefallen. Weitergehende mikrobiologische Untersuchungen laufen noch, teilte die Hochschule auf Anfrage mit.

Matthias Wolters, Leiter des Stalu in Vorpommern, war auch gestern am Bodden unterwegs, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Auch wenn die Helfer vorerst abgezogen sind: „Wir werden die Entwicklung im Blick behalten und gegebenenfalls reagieren“, sicherte er zu. Die Hoffnung, dass das Fischsterben vorüber sein könnte, scheint sich jedenfalls zu zerschlagen. Wie Helfer berichteten, seien auch am Mittwoch Fische gefunden worden, die mit dem Tod kämpften.

 

Maik Trettin

 

Dienstag, 11. Januar 2022 Insel Rügen

Zehn Tonnen toter Fische eingesammelt

Von Uwe Driest in der OZ

 

Nach dem Tod von abertausenden Fischen riefen Angler und Hilfsorganisatio-nen zur großen Sammelaktion. Rund 70 Helfer entnahmen tonnenweise tote Fische aus den Uferbereichen des Keinen Jasmunder Boddens. Über Ursachen kann vorerst weiter nur spekuliert werden.

 

Brassen1

Ganz überwiegend wurden Brassen gefunden, aber nicht nur. Andreas Hommann vom Kreisanglerverband zeigt eine Flunder und ein weiterer Angler hält einen Zander hoch

 

 

Lietzow. Die Ursache bleibt vorerst weiterhin im Dunkeln, aber eines lässt sich bereits jetzt sagen: Das massenweise Sterben der Fische im Großen und Kleinen Jasmunder Bodden hat das Ausmaß einer veritablen Umweltkatastrophe. Am Montag begann nun zunächst eine großangelegte Sammelaktion, um tote Tiere zumindest aus den flachen Uferbereichen zu entnehmen. Rund 70 Helfer von Anglerverband, Technischem Hilfswerk (THW) und Biosphärenreservat Südostrügen machten sich unter Leitung des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) daran, mit großen Forken bewehrt, Fische aller Größen und Arten aus dem Schilfgürtel zu sammeln. „Ich stehe kaum zehn Minuten an dieser Stelle und habe schon einen blauen Sack voll“, ruft einer der rund 40 helfenden Angler erstaunt angesichts des Ausmaßes.

 

Dabei hatte der Wind die meisten der Kadaver ans Ostufer des Bodden vor Prora getrieben. Dort war ein Zug des THW im Einsatz und hatte allein auf einem etwa 50 Meter langen Abschnitt etwa eine Tonne toter Fische geborgen. „Wir sind mit 25 Kameraden aus Bergen, Stralsund und Wolgast hier, die zwei Boote des Havariekommandos und einen Kran mitführen“, sagt THW-Einsatzleiter Heiko Blath. Der Kran wird benötigt, um die große Container-Mulde zu bewegen, in der die Fische letztlich gesammelt wurden. Auch Zelte, um sich angesichts der Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt aufzuwärmen, hatte das THW aufgebaut. „Denkt an Eure Gesundheit – das Wasser ist kalt“, rief Blath den Helfern zu, die sich mit Watthosen und Handschuhen ausgestattet an die Arbeit machten.

 

Auf das massenweise Sterben der Fische des Gewässers waren Angler schon vor Weihnachten aufmerksam geworden. Am 22. Dezember soll die Wasserschutzpolizei informiert worden sein, die jedoch möglicherweise die Informationen nicht weitergeleitet habe, glaubt einer von ihnen. So habe es bis zu Beginn dieser Woche gedauert, bis es zu der Hilfsaktion gekommen sei. „Für die Rufbereitschaft des Stalu war keine Ursache erkennbar und auch das Ausmaß der Katastrophe war zunächst nicht bekannt“, sagt Matthias Wolters, Leiter des Stalu. Über die Ursache könne nur spekuliert werden, solange keinen weiteren Auswertungen vorlägen.

 

In der Bevölkerung kursieren derweil teils abenteuerliche Versionen, die von Altlasten der NVA bis hin zu zwei alliierten Bombern reichen, die auf dem Rückflug von Berlin über dem Bodden abgeschossen worden seien. Auch von einer Methanblase und Pestiziden war die Rede. Um die Wendezeit herum wäre schon einmal eine vergleichbare Sammelaktion notwendig gewesen, erinnert sich Wolfgang Frank von der Tauchstation in Prora.

 

Erste Proben des Wassers hätten keine Hinweise gegeben, so Mario Voigt, vom Landesanglerverband. „Alle Parameter wie Sauerstoffsättigung sind im Bereich des Normalen.“ Auch die Kläranlage sei nicht defekt. „Es kann eigentlich nur ein Gift sein“, glauben mehrere der Helfer. „Da wir keine gestiegenen Werte von Nitrat und Nitrit festgestellt haben, dürfte es sich diesmal nicht um Überdüngung aus der Landwirtschaft handeln“, meint Manfred Santen. Der Chemiker entnahm am Montag Wasserproben im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. „Wir müssen nun systematisch schauen, um welche Schadstoffe es sich handelt.“ Weitere Messergebnisse könnten Mittwoch oder Donnerstag vorliegen. „Bis dahin bleibt es ein Rätsel“, so Santen. Untersuchungen der Kadaver durch die Tierärztliche Hochschule Hannover lägen kaum vor Ende der Woche vor, sagt auch Sprecherin Sonja von Brethorst.

 

Das Sterben betrifft alle Arten von Fischen. Hauptsächlich sind es Brassen, aber eben nicht nur, weiß Andreas Hommann vom Kreisanglerverband und hält eine Flunder hoch, während ein Vereinskamerad in die Kiemen eines großen Zander greift. „Bis Du so einen Zander fängst, gehst Du 30 Mal angeln“, meint der. „Die meisten Barsche liegen auf dem Grund“, glaubt Hommann. Wenn die Schwimmblase platze, würden die Tier absinken. Funde von toten Möwen oder eines Wildschweins seien nicht mit dem Fischsterben in Verbindung zu bringen“, meint Stalu-Leiter Wolters. Daher bestünde kein Anlasse, vor dem Verzehr zu warnen.

 

Insgesamt wären es am Ende mehr als zehn Tonnen Fisch gewesen, die den Groß-Container gefüllt hätten, so Wolters. Die werden durch ein Fachunternehmen für Tierkörperbeseitigung aus Malchin entsorgt. Am Dienstag wird die Sammelaktion fortgesetzt.

Dienstag, 11. Januar 2022 Insel Rügen

 

 

 

OZ Webseite am 6.01. : Maik Trettin

 

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